Das HIK bei Falling Walls 2018

Welche Mauern fallen als nächstes? Unter diesem Motto lädt die Falling Walls Konferenz jährlich am Tag des Berliner Mauerfalls ein. Mit dabei sind Wissenschaftler*innen aus aller Welt die in ihren Disziplinen Forschung betreiben und mit ihren Ergebnissen oder Perspektiven unsere Gesellschaft verändern. Dieses Jahr waren die drei aktuellen Kollegiat*innen des Hertie Innovationskollegs dabei. In diesem Artikel berichten sie über ihre Erfahrungen auf der Konferenz und was sie für ihre Projekte und sich lernen konnten.

Dr. Eva Dingel

Die Konferenz war wirklich ein sehr beeindruckendes Line-Up von Top-Wissenschaftler*innen, aus den Bereichen Technologie, Neuromedizin oder Wertstoffrecycling. Am meisten beeindruckt haben mich die verschiedenen Vorträge zur Erforschung des Gehirns, zum Beispiel die Vorstellung von “brain organoids”, bei deren Gewinnung Stammzellen dazu verwendet werden, gewisse Strukturen und Entwicklungsprozesse des Gehirns zu erneuern. In diesen relativ kleinen Zell-Clustern können dann Synapsen und Neuronen repliziert und die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns damit live erforscht werden. Ein Riesenfortschritt, wenn man bedenkt, dass es bisher unmöglich war, lebende menschliche Gehirnzellen zu bearbeiten – denn wer würde schon Gehirnmasse spenden! Das meiste, was die Medizin über das Gehirn weiss, stützt sich auf die Erforschung von Mäusegehirnen. Mit dieser neuen Methode können also hoffentlich in Zukunft wichtige neue Erkenntnisse für die Neuromedizin gewonnen werden.

Sehr positiv fand ich, dass die Konferenz durchweg für Wissenschaft und Technik begeistert – da würde man sich fast wünschen, dass Falling Walls für mehr Menschen und v.a. jungen Menschen zugänglich wäre, damit sich diese Begeisterung schon früh auf Nachwuchswissenschaftler*innen und Schüler*innen überträgt. Eines der im Rahmen von Falling Walls präsentierten Startup-Projekte macht genau dies über Video-Vorträge und Live-Chats mit Top-Wissenschaftler*innen auf der ganzen Welt – ein spannendes Projekt. Überhaupt waren viele der prämierten Start-Up Projekte bei Falling Walls interessant und innovativ.

Diese Begeisterungsfähigkeit der Vortragenden zeigte sich für mich am stärksten beim Vortrag von Nicola Spalding zu “Multiferroic Materials”, ein Thema, das ich auf Papier wahrscheinlich glatt überlesen würde, das aber durch ihren ehrlichen und mitreißenden Vortragsstil interessant wurde. Denn sie sagte ganz offen, dass sie zwar 30 Jahre an diesem Thema geforscht habe, aber nicht wisse, ob es wirklich den von ihr erhofften Durchbruch ermöglichen wird – in der Welt des Overhypes und Erfolgsdrucks schien mir das eine sehr ehrliche und gesunde Einstellung zur eigenen Forschung.

Interessanteste Unterhaltung: Ein weiteres tolles Format bei Falling Walls waren die Forums-Diskussionen, bei denen die Speaker im Anschluss an ihren Vortrag mit ein oder zwei weiteren Wissenschaftler*innen und Journalist*innen in kleinerem Rahmen diskutierten und das Publikum Fragen stellen konnte. So lernten wir in der Diskussion mit Onur Güntürkün, der an der Universität Bochum in der Biopsychologie forscht, dass Vögel in Teilbereichen leistungsfähigere Gehirne als Menschen haben und wir alle froh sein sollten, dass sie relativ klein sind. Gäbe es menschengroße Tauben, würden sie womöglich die Weltherrschaft übernehmen….

Marius Krüger

Die Falling Walls Conference war ein absolutes Spitzenevent – inhaltlich, organisatorisch und für mich persönlich! Zum 10. Mal haben sich im Berliner Radialsystem mehr als 20 führende Wissenschaftler*innen aus aller Welt getroffen, um ihre ‚scientific breakthroughs‘ in 15-minütigen TED-Talks zu präsentieren und die Fragen ‚Which are the next walls to fall? And how will that change our lives?‘ zu beantworten. Vom Müllvermeidungsökonom bis zur Errinnerungswissenschaftlerin, vom Blockchain-Pioneer zur Daten-Aktivistin, von Machine Learning bis zu Vogelgehirnen – inhaltlich hatte die diesjährige Konferenz einiges zu bieten. Besonders beeindruckend fand ich vor allem die fachfremden Vorträge. Dass in der Robotik der Faktor Mensch immer noch so entscheidend ist, Vogelgehirne eine 6x höhere Dichte neuronaler Systeme aufweisen als der Mensch und Machine-Learning nur Korrelationen nicht aber Kausalitäten erkennt, sind einige meiner Erkenntnisse, die ich aus dieser Konferenz mitnehmen konnte. Auch die Organisation und die Ausgestaltung des Ablaufs der Konferenz waren absolut weltklasse. Ausgestattet mit einem Kopfhörersystem konnte man nach den einzelnen ‚Lecture Sessions‘ im Foyer noch den vertiefenden ‚Forum Sessions‘ lauschen und dabei per Knopfdruck von Bühne zu Bühne springen. Bei leckerem – auch veganen – Essen, Kaffe & Kuchen konnte so auch vielen interessanten ‚Kaffeehausgesprächen‘ zugehört werden.

Neben diesen inhaltlichen und organisatorischen Annehmlichkeiten war die Konferenz aber auch wegen ihrer anderen Teilnehmer ein voller Erfolg. So konnte ich mit zahlreichen Akteuren der Bereiche Digitalisierung, Medien & Politik persönlich in Kontakt treten und DEMOCRACY das ein oder andere mal pitchen. Auf dem die Konferenz abschließenden Fest-Dinner am Pariser Platz habe ich sogar noch die Möglichkeit bekommen, mit Obi Felten von Google X zu sprechen. Obi ist ‚Head of getting moonshots ready for contact with the real world‘ bei dem Google-internen Start-Up ‚X’ und hat seine ganz eigene Philosophie, wie man herausfindet, ob ein Projekt erfolgreich sein kann: Die schwierigsten Schritte zuerst gehen, um möglichst schnell herauszufinden, was nicht funktioniert. Eine ziemlich kluge Herangehensweise, wie ich finde – Critical-Path-Method at its best. Mehr zu diesem Thema erklärt dieses Video

Interessanteste Unterhaltung: Ich habe viele interessante Gespräche mit vielen interessanten Persönlichkeiten auf der Falling Walls Conference geführt. Eins der entscheidenden war wohl aber eher unerwartet. Dem Forum von Brian Behlendorf, einem Blockchain-Pioneer aus San Francisco lauschend, ist mir aufgefallen, dass der Moderator dieser Runde der Redaktionsleiter des WIRED Magazins Deutschland ist. So bin ich nach dem Ende dieser Session nicht, wie von mir ursprünglich geplant, mit Brian Behlendorf ins Gespräch gekommen, sondern habe mich mit dem Moderator Wolfgang Kerler unterhalten und klar, dabei auch DEMOCRACY gepitcht. Interessanterweise arbeitet das WIRED-Magazin zur Zeit an einem Artikel zur ‚neuen Informationsarchitektur moderner Demokratien‘, wo für DEMOCRACY jetzt eine Berücksichtigung in Aussicht steht. Damit hat sich für mich mal wieder die Formel ‚It’s the little details that are vital. Little things make big things happen.‘ bestätigt.

Johannes Müller

Die Falling Walls Konferenz ist eine einzigartige Konferenz. Ein bisschen so wie die TED-Konferenzen, aber ausschließlich mit herausragenden Wissenschaftler*innen. Hier in Berlin verbringe ich viel Zeit in einer Blase mit Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen und so war es hervorragend viele Leute aus den Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften zu treffen und sich zu den neuesten Entwicklungen in diesen Bereichen auszutauschen. Von Chemie, Astrologie, bis hin zu Materialwissenschaften – es gibt aufregende neue Entwicklungen, die unser Leben nachhaltig verändern werden und unsere Lebensqualität erhöhen werden. Was aber auch wieder bestätigt wurde: Keine dieser Wissenschaften können in einem Vakuum ohne die anderen Wissenschaften existieren. Bei den großen Herausforderungen unserer Zeit (Klimawandel, Digitalisierung, etc.) sind deshalb insbesondere auch Sozial- und Geisteswissenschaftler*innen gefragt diese mitzugestalten.

Interessanteste Unterhaltung: Stefania Milan forscht an der Universität Amsterdam zum Zusammenspiel von Technologien und Gesellschaft. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit beschäftigt sich mit der Frage wem unsere Daten gehören und wie diese für das Wohl der Gemeinschaft genutzt werden können. Das ist natürlich genau mein Thema: Data for Good. Ich hatte die Chance nach ihrem Talk über die Frage zu sprechen, wie mehr Grassroots-Bewegungen in diesem Bereich gefördert werden können. Um ein Gegengewicht zu den großen Plattformen aufzubauen braucht es nämlich vor allem die Zivilgesellschaft und neue Modelle wie wir Datenanalyse so nutzen können. Es war großartig Stefania auf der Konferenz kennenzulernen und sie hat direkt angeboten uns dabei zu helfen CorrelAid in den Niederlanden zu etablieren.

 

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