Digital First bei den Öffentlich-Rechtlichen Medien?

Mariel SousaAllgemein Hinterlasse einen Kommentar

So ziemlich jeder kennt seit der letzten Bundestagswahl die politische Forderung „Digital First“ –  die wenigsten von uns haben sie bislang aber mit den öffentlich-rechtlichen Medien in Verbindung gebracht. Umso mehr freute es mich, in der Veranstaltungsreihe „Demokratie und Medien“ am 26.09.2018 bei der Schwarzkopfstiftung einen Gast moderieren zu dürfen, der u.a. genau dies fordert: Im tosenden Meer des Netzes, die Plattformen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu Leuchttürmen von Qualität von Verlässlichkeit auszubauen.

Neben seiner Intendantenfunktion bei Radio Bremen veröffentliche Jan Metzger im Zuge seines Vorsitzes der Arbeitsgruppe ARD-Multiplattform-Strategie 2017 ein 8-seitiges Strategiepapier zu Möglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im digitalen Zeitalter und für die Stärkung junger Inhalte. Nach einem rund fünfundzwanzigminütigen Impulsvortrag (hauptsächlich aus jenem Papier) stiegen Herr Metzger und ich direkt in die Diskussion ein. Dafür besprachen wir zunächst eine übergeordnete Ebene, nämlich die des prinzipiellen Auftrags von Medien bzw. der Bedeutung des Internets, bevor wir konkret über die Online-Strategie der Öffentlich-Rechtlichen sprachen. Jan Metzger erläuterte, dass aus seiner Perspektive der technologische Wandel nicht mehr umzukehren sei und es insofern darauf ankomme, die Stärken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in die nicht-lineare Welt des Internets zu übersetzen. Was es dafür brauche, sei eine Strategie die sowohl die Stärkung eigener Plattformen wie auch die Präsenz auf relevanten Drittplattformen umfasse. Interessant zu beobachten war, wie Herr Metzger während unseres Gespräches immer wieder seine Perspektive zwischen beruflicher und bürgerlicher wechselte. So viele begrüßenswerte Informationsfreiheiten ihm das Internet als Bürger auch gebracht habe, so schwierig sei es aus journalistischer Sicht den Überblick über die Fakten zu behalten. „Es ist unser Auftrag, Meinungsvielfalt herzustellen, zur kulturellen Verständigung und zur gesellschaftlichen Integration in unserem Land beizutragen“, formulierte Metzger während unseres Gesprächs den Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen Medien. Dieser Auftrag werde in Zeiten der massiven Veränderung der gesellschaftlichen Kommunikation noch wichtiger, so Metzger. Die Gesellschaft brauche auch und gerade in der digitalen, von globalen Plattformen beherrschten Medienwelt verlässliche, relevante und glaubwürdige Qualitäts-Anbieter-Medien. Nehmen die Anstalten diesen Auftrag an, sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk für die Zukunft gut gewappnet.

Ob der gesetzliche Auftrag dies in Zukunft zulässt, wird sich zeigen. Der derzeitige Rundfunkstaatsvertrag limitiert die Ausgaben für Digitales noch unter 10%. Bei allem Engagement im Digitalen wird die Ressourcenverteilung in den kommenden Jahren zugunsten des klassischen Bereichs ausfallen. Digital First gibt es dann möglicherweise mit dem nächsten Rundfunkstaatsvertrag.

Dieser Artikel wurde verfasst von Marius Krüger.  

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