Projekte

Wertediskurs mit Russland: klären, formulieren, vermitteln

Im Projekt „Wertediskurs mit Russland: klären, formulieren, vermitteln“ untersucht Dr. Evgeniya Sayko ein Phänomen, das sie in den letzten Jahren eingehend beschäftigt: die Abkehr Russlands von Europa bzw. die Distanzierung Russlands von den so genannten „europäischen“ oder „westlichen“ Werten. Dabei möchte sie in ihrem Projekt Brücken zwischen Deutschland und Russland bauen und einen Beitrag zur Entwicklung neuer Strategien für einen konstruktiven Wertediskurs in der europäischen Gemeinschaft leisten.

Evgeniya Saykos Hauptziele während des Jahres im Hertie-Innovationskolleg sind:

  • Klären: eine Bestandaufnahme der aktuellen Missverständnisse und Schwierigkeiten in der Kommunikation. Verstehen und meinen Russen und Deutsche das gleiche, wenn sie Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, Freiheit und Zivilgesellschaft hören oder verwenden?
  • Formulieren: Werteorientierungen und Tendenzen in der russischen Gesellschaft heute. Was sind eigentlich die Werte der Russen?
  • Vermitteln: Wege finden, über Wertevorstellungen Deutscher und Russen zu reden sowie sich über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Verständnis abstrakter und komplexer Begriffe konstruktiv auszutauschen.

European People’s Fund (EPF)

Der paneuropäische European People’s Fund (EPF) ist eine Art zivilgesellschaftlicher Marshallplan of the people, by the people and for the people. Der EPF fördert europaweit Initiativen, Projekte und Vereine, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Jeder Europäer kann für einen geringen Betrag ohne zeitliche Beschränkung Mitglied im EPF werden und über die Vergabe der Mittel mitbestimmen. Pascal Zimmer möchte hiermit den demokratischen Geist auf dem Kontinent stärken, gemeinnützige Organisationen und Projekte unterstützen und Europa für Europäer erfahrbarer und lebendiger gestalten. Im Rahmen des Jahres im Hertie-Innovationskolleg wird er ein Netzwerk aus Unterstützern für den EPF aufbauen, das Konzept sukzessive schärfen und eine konkrete Umsetzung vorbereiten.

Der European People’s Fund hat das Potenzial, eine große Gruppe von Europäern in einem positiv besetzten Kontext zusammenzubringen, eine europäische Identität jenseits politischer Positionen zu schaffen und unzählige kleine wie große gemeinnützige Projekte in verschiedensten Bereichen zu fördern.

Center for Intersectional Justice (CIJ)

Im Rahmen des Projekts Center for Intersectional Justice (CIJ) möchte Dr. Emilia Roig einen Paradigmenwechsel im Bereich Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit in Deutschland und Europa durch eine intersektionale Perspektive vorantreiben. Die Gleichbehandlung aller in Europa lebenden Menschen soll gefördert werden durch die Bekämpfung ineinandergreifender Formen von struktureller Ungleichheit und Diskriminierung in Europa – auch „Mehrfachdiskriminierung“ genannt.

Im Laufe des HIK Jahres möchte Emilia Roig das ECIJ in Berlin aufbauen und in der politischen und zivilgesellschaftlichen Landschaft Europas etablieren, ein trans-europäischen Netzwerk institutionalisieren sowie die ausgeblendete Perspektive der Intersektionalität im politischen und öffentlichen Diskurs verfestigen. Zur Einflussnahme auf den öffentlichen Diskurs und auf die Politik in Deutschland und Frankreich nutzt CIJ die Instrumente von Advocacy und Politikberatung sowie Kampagnen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Intersektionalität soll damit in der politischen Praxis Anwendung finden.

Teachers Impact Lab

Tina Simon möchte das Jahr im Hertie-Innovationskolleg nutzen, um ein Teachers Impact Lab zu gründen, das sich mit der Frage nach der Gestaltung einer Arbeitskultur 5.0 in Schulen beschäftigt. Im Zentrum stehen Fragen nach den Voraussetzungen für Lehrerinnen und Lehrer in Veränderungsprozessen an Schulen sowie die Lehrerzufriedenheit und Begeisterung am Arbeitsplatz Schule. In einem Think Tank möchte sie Menschen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sowie Lehrerinnen und Lehrer vernetzen, die sich mit Mitarbeiterzufriedenheit in der Arbeitswelt 4.0 beschäftigen, um gemeinsam innovative und vor allem positive Impulse für den Lehrerberuf zu setzen. Hierzu sollen Formate entwickelt werden, die es Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht, ihren Alltag neu zu denken und ihre Visionen in der Praxis auszuprobieren.

Das Teachers Impact LAB möchte Workshop Angebote entwickeln und zur Verfügung stellen, die dazu beitragen, dass begeisterte Lehrerinnen und Lehrer sich den Herausforderungen einer sich verändernden Bildungslandschaft und einem sich verändernden Arbeitsplatz Schule stellen können.

 

Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch Professionalisierung des 3. Sektors in Berlin

Im Projekt „Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch Professionalisierung des 3. Sektors in Berlin“ möchte Susanne Sander anhand der Kriterien Unabhängigkeit, Organisation und Inklusion einen Beitrag zur Entwicklung und Professionalisierung des 3. Sektors leisten. Der 3. Sektor soll darin gestärkt werden, als klares Gegenüber und Impulsgeber für die Politik und Wirtschaft agieren zu können.

Dabei baut sie auf ihre Arbeit mit Berliner Bürgerplattformen auf. Diese Organisationen sind unabhängige Zusammenschlüsse von fast 70 heterogenen Gruppen (keine Einzelpersonen) unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen (Christen, Muslime, darunter Schiiten, Sunniten) aus drei Berliner Bezirken. Die Bürgerplattformen verständigten sich vor den Wahlen in Berlin 2016 untereinander, welche Themen sie in der neuen Legislaturperiode voranbringen möchten, um im Wahlkampf dazu verbindliche Aussagen von den Bürgermeisterkandidaten zu erhalten. Sie stehen nun vor dem Schritt, diese als Zusagen einzuholen. Dazu möchte Susanne Sander ein Team aus Vertreter*innen der drei Bürgerplattformen zusammenstellen und coachen, um politisch strategisch agieren zu können und um auszuloten, welche konkreten inhaltlichen Weichen vorangebracht und die Ergebnisse in die Plattformen zurückgetragen werden können. Es sollen darüber hinaus ein bis drei öffentliche Aktionen mit Entscheidungsträgern stattfinden, um ihre Zusagen abzusichern.

 

Im Pilotjahrgang 2016/17 gab es insgesamt vier Projekte, an denen die Kollegiaten des Innovationskolleg mitwirkten. Sie bildeten das Herz des Kollegs.

Polis 180

„Polis180“ ist ein Grassroots-Thinktank zu Außen- und Europapolitik in Deutschland. Vorbild ist der Schweizer Think Tank foraus. Im Zentrum stehen die Mitglieder von Polis180. Sie diskutieren über Partei-, Berufs- und Disziplingrenzen hinweg über europäische Politik, erarbeiten neue Lösungsansätze und tragen diese an Entscheidungsträger*innen heran. Polis180 vermittelt die Perspektive ihrer Generation. Es etabliert eine neue Form der politischen Partizipation unabhängig von Parteien und erprobt neue Formate der Vermittlung ihrer Analysen. Die Analysen entsprechen akademischen Anforderungen und sollen dennoch allgemein verständlich verfasst sein. Darüber hinaus fördern die Mitglieder ihre individuellen Talente gegenseitig. Im Rahmen des Kollegjahrs möchte das Team die inhaltlichen Schwerpunkte zur Europapolitik ausbauen sowie ihre Stellung als Bottom-Up-Think-Tank im Wettbewerb mit Top-Down-Think Tanks evaluieren. Damit einhergehen soll ein nächster Schritt der Professionalisierung. Inhaltlich, organisatorisch und methodisch kann Polis180 vom Know-how der Hertie-Stiftung und der Hertie School of Governance profitieren. Zu polis180.org wechseln

Kitchen on the run

„Kitchen on the run” schafft Begegnung von Geflüchteten und Beheimateten. Mit Hilfe einer voll ausgestatteten, mobilen Küche wird Menschen auf der Flucht die Möglichkeit gegeben, einen Tag Gastgeber für Menschen aus ihrer neuen Nachbarschaft zu werden. Die mobile Küche reist im Zeitraum von sechs Monaten durch fünf Länder Europas (Italien, Frankreich, Deutschland,Niederlande, Schweden) und versammelt dort insgesamt ca. 2.000 Personen an ihrem Tisch. Vor Ort kooperiert das Team mit verschiedensten Partnern aus der Kommunalverwaltung und der lokalen Zivilgesellschaft. „Kitchen on the run” gibt einen Anstoß zum europäischen Erfahrungsaustausch und vernetzt Akteure über Grenzen hinweg. Im Rahmen des Hertie-Fellowships arbeitet Dr. Rabea Haß ihre Erkenntnisse und Erfahrungen systematisch auf und macht sie unterschiedlichen Akteuren zugänglich. Ziel ist es u.a. einen Praxisleitfaden für die europäische Zivilgesellschaft zu erstellen. Dieser bezieht die subjektive Perspektive der Geflüchteten sowie die Perspektive der aufnehmenden Gesellschaften ein.Nach den Stationen Bari, Marseille und Duisburg befindet sich Dr. Rabea Haß aktuell auf ihrer nächsten Station in Deventer (Niederlande). Zu kitchenontherun.org wechseln

European Dialogue Forum

Das „European Dialogue Forum“ wirkt der wachsenden Fragmentierung zwischen Ost- und Westeuropaentgegen. Warum gibt es eine Diskrepanz der öffentlichen Meinungen, politischen Realitäten und Ansichten zu Rechtsstaatlichkeit zwischen „alten“ und „neuen“ EU Mitgliedsstaaten? Der Fokus wird vor allem auf die Themenfelder Migration, Mobilität und Asyl gelegt. Das Projekt bringt Stakeholder aus unterschiedlichen Disziplinen und Kontexten (Staat, Zivilgesellschaft, Verwaltung, u.ä.) zusammen. Für sie soll ein Raum zum offenen Austausch sowie zur Erarbeitung neuer Handlungsstrategien und Politikempfehlungen geschaffen werden. Dies geschieht in drei Formaten:

  • ein „European Policy Link Tank“ als Laboratorium für Praktiker und Multiplikatoren,
  • ein „Future Lab“ als Plattform zur Entwicklung einer positiven Vision für Europa durch eine jüngere Generation sowie
  • eine Online-Plattform, die den Austausch über Grenzen hinweg und die Veröffentlichung von Ergebnissen erleichtert.

Zurzeit bauen die beiden Kollegiatinnen, Anca Oprisor und Dr. Nóra de Wijs, tragfähige Netzwerke in Osteuropa auf und führen die ersten Interviews in Ungarn und Rumänien. Der erste Entwurf des Konzepts erscheint Ende Juni 2016.

Diversität und Integration

„Diversität und Integration“ verfolgt das Ziel, die Lücke zwischen den Bedürfnissen der Geflüchteten und den Hilfsangeboten der Zivilgesellschaft und des Staates zu überwinden. In einem Dreischritt sollen

  1. die Bedürfnisse von Geflüchteten in intensivem Austausch erörtert,
  2. die aktuellen Handlungsansätze deutscher Verwaltungen aufgezeigt und
  3. Lösungs- und klare Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden, um den Abbau der Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage voranzutreiben.

Ihre Ergebnisse wird sie z.B. in Workshops an relevante Akteure vermitteln. Anne-Marie Kortas agiert als Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Akteuren im Raum Berlin und Brandenburg und stößt einen intensiven Dialog zwischen folgenden Gruppen an: Geflüchteten, staatlichen Institutionen, Unterkunftsbetreibern sowie ehrenamtlich Engagierten im Flüchtlingsbereich. Alle Phasen haben einen wissenschaftlichen wie praktischen Ansatz. Im Mittelpunkt steht der praktische Austausch der Akteure. Die Akteure tauschen ihre Erfahrungen in kreativen Formaten und Prozessen aus, lernen voneinander und erarbeiten gemeinsam neue Formen der Kooperationen. Als Ziel sollen implementierbare Vorschläge aufgezeigt werden. Anne-Marie Kortas bringt langjährige Erfahrungen mit ihrem Engagement im Verein „Angehört“ und ihrer Arbeit mit Geflüchteten in Brandenburg ein.