Hertie Innovationskolleg

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Stefan Mekiffer: Refugee Open City

Stefan Mekiffer (geb. 1988 in Kassel) studierte Wirtschaft, Kulturwissenschaften und Philosophie in Maastricht, Paris und Berlin. Er erforscht alle Arten sozialer Innovation. 2016 erschien sein Buch „Warum eigentlich genug Geld für alle da ist“ im Hanser Verlag.

Die Ausgangslage: Als 2015 etwa eine Million Menschen nach Deutschland geflohen waren, um Krieg, Verfolgung und Zerstörung zu entkommen, trafen sie auf ein Versorgungssystem, das nur unzureichend auf diese Situation vorbereitet war. Die Geflüchteten wurden in Unterkünften notdürftig versorgt, in denen ihre Wünsche nach Eigenständigkeit nicht erfüllt wurden. Es fehlte der Raum Bedürfnisse zu entfalten. Motivation und Dankbarkeit verwandeln sich bald in Lethargie, Frustration und sogar Aggression.

Der neue AnsatzRefugee Open Cities (ROC) erweitern das Betriebssystem der Unterkunft um Prozesse sozialer Inklusion. Geflüchtete werden in die Gestaltung ihres Lebensraums einbeziehen. Durch eine gemeinsame kreative Erfahrung werden die Bewohner ermächtigt, selbst an der Verbesserung der Unterkunft teilzuhaben. Sie lernen Techniken der Organisation, erfahren Wertschätzung, und schöpfen neue Hoffnung. Unterkünfte werden zum Teil der Lösung statt des Problems. Ausprobiert wurde dies in einer Notunterkunft Berlin-Neukölln mit 600 Bewohnern. In einer Bauwoche haben circa 150 BewohnerInnen und 50 Freiwillige rund 1800 Quadratmeter Fläche in ein kleines Dorf mit Frauenraum, Spielplatz, Teehaus, Marktplatz, Lernzentrum, Fitnessraum, Garten und Werkstatt verwandelt. Der Prototyp war ein Erfolg und hat die Hoffnung bestätigt: Menschen gleich welcher Herkunft sind innovationsfreudig und bereit, für ihre Zukunft anzupacken, wenn man sie in ihre Zukunftsgestaltung kreativ einbindet.

Die Vision: Die Erfahrungen von Refugee Open City sollen weiterentwickelt und verbreitet werden. In einer Zuwanderungsgesellschaft müssen Geflüchtete lernen, verantwortliche Rollen übernehmen. Dies muss ihnen auch zugetraut werden. Im Hertie-Innovationskolleg steht die praktische Umsetzung der theoretischen Aufarbeitung von ROC im Mittelpunkt, um die zentralen Erkenntnisse auf andere Projekte zu übertragen: Von Prozessen multikultureller Entscheidungsfindung bis zur dezidierten Einbindung von Frauen. Schließlich entwickelt Refugee Open City ein Format, in dem Trägern anderer Unterkünfte diese erfolgreiche, weil partizipative und integrative Herangehensweise nähergebracht wird. Ziel ist es dabei, nicht nur die Not in den Unterkünften zu lindern, sondern sie zum Inkubatoren für innovative, partizipative Sozialtechniken umzuformen.

Kontaktinformationen:
Email: mekiffers@hertie-innovationskolleg.de oder stefan@rocteam.de
Website: http://www.roc21.org/