Hertie Innovationskolleg

Supporting refugees in Berlin, one year later: asylum seekers‘ perspectives on the role of NGOs

Over the past year, since the increase of refugee numbers coming to Germany, the role of NGOs and volunteers in supporting the newcomers and complementing government services has been extraordinary. However, according to a recent survey at the Hertie School of Governance, which explores the experiences of Berlin refugees with public services, most asylum seekers perceive NGOs as relatively unimportant in service delivery. Whether it’s about German language classes, accommodation, or accessing health services, between 40% and 50% of refugees indicate that they found NGOs not to be relevant. The only areas where the latter seem to play a somewhat larger role are labour market preparation, education and ensuring personal safety (though here too only around a third of respondents see non-governmental organizations as important). Even further, when asked to assess their interaction with representatives of non-governmental organizations and with volunteers, a third of all respondents were entirely unable to do so.

These findings show that through the eyes of Berlin refugees, and in stark contrast with public perceptions, NGOs are barely visible. A likely explanation is that many refugees have a hard time distinguishing between the state and the non-governmental actors offering them support. Most refugees are likely to have had little experience with civil society in their home countries to begin with.

For service providers this is not however without consequences. From a government perspective, for instance, it means that most responsibility for services delivered is likely to be associated with state institutions alone, whether these services are assessed positively or negatively.

But the most important effects are related to NGOs themselves. Surely, if non-governmental organizations have such a low profile, it is unlikely that refugees will be aware of what they have to offer. In fact, the results of the same study show that refugees usually look up to other refugees (70%) and more rarely to apps/ social media (32%) for information about the services they need (neither NGOs, nor state institutions, on- or off-line are seen as information sources regarding critical services). For all the multitude of initiatives, apps and products being offered and despite the wide presence of NGOs, refugees rarely seek out non-governmental organizations and many of these services are unlikely to even reach their intended users.

Considering the magnitude of the refugee crisis, the current mismatch between existing NGO resources and refugees, and the resulting waste of opportunities seem to be particularly unfortunate. NGOs involved need to create more visibility for themselves and their role in the settlement and integration of refugees. Moreover, it is important for them to make use of their own ground experience related to the different sub-groups of refugees (based on age, gender, native languages etc) and identify the best channels and strategies to make information about existing services available to a variety of potential users.

The urgency of the refugee influx has perhaps left NGOs with little energy for anything else except for basic support. Nonetheless, from an NGO perspective, stepping up communication and outreach efforts might turn out to be the very missing link in the refugee integration process.

Kitchen on the Run in Bildern

Seit fast fünf Monaten sind wir inzwischen mit unserer mobilen Containerküche unterwegs. Wir waren in Italien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und sind nun in Schweden. Gut 2.000 Menschen aus über 65 Ländern haben bereits mit uns gekocht und gegessen, gelacht und getanzt, geweint und Geschichten ausgetauscht.
In jedem Land, an jedem Standort, aber auch an jedem Kochabend machen wir neue, andere Erfahrungen, lernen viele persönliche Wege des Ankommens und des Auf-Einander-Zugehens kennen.
Wie wir den Standort in Deutschland, konkret in Duisburg-Neumühl, erlebt haben, könnt Ihr in unserer aktuellen YouTube Episode oben sehen.

Interview mit Prof. Dr. Helen Knauf

Mit „Zukunft der Bildung. Stiftung im Dialog.“ wurde eine Reihe gestartet, die sich in Frankfurt/M. aktuellen Fragen, Themen und Trends in der Bildung stellt. Zur Diskussion eingeladen sind Multiplikatoren, Gestalter und an Bildungsfragen Interessierte. Die Auftaktveranstaltung am 9.07. 2016 beschäftigte sich mit dem Thema „Zukunft Digital? – Chancen und Risiken der Digitalisierung im Bildungsbereich“. Unsere Gäste waren:
Prof. Dr. Helen Knauf, Professur für Pädagogik der Frühen Kindheit, Hochschule Fulda
Gregory Grund, „Digitale Helden“ – Medienbildung für Schüler, Eltern und Lehrkräfte
Ralph Müller-Eiselt, Alumnus der Hertie School of Governance und Projektleiter „Teilhabe in einer digitalisierten Welt“ der Bertelsmann Stiftung Gütersloh
Moderation: Tim Frühling, Hessischer Rundfunk, Frankfurt

Lesen Sie hier ein Interview mit Prof. Dr. Helen Knauf:

Eines Ihrer Forschungsgebiete lautet Medien in der Kindheit – an welcher Fragestellung arbeiten Sie aktuell?
Eine Entwicklung, die mich aktuell beschäftigt ist die Nutzung sozialer Netzwerke durch Kindertageseinrichtungen. In den USA sind immer mehr Kitas beispielsweise auf Facebook oder Twitter unterwegs; auch in Deutschland gibt es einige. Ich befasse mich dabei mit der Frage, welche Funktion die sozialen Netzwerke für die Kitas übernehmen. Gerade in Deutschland ist das vorwiegend die Information von Eltern und Partnern der Einrichtung. Andere Kitas nutzen die Netzwerke, um gemeinsam mit Kindern die pädagogische Arbeit zu dokumentieren oder mit ihnen die digitale Welt zu erkunden. Die Kinder werden selbst aktiv, begleitet von Erziehern – es werden Fotos gemacht, Zitate der Kinder werden gepostet. So findet eine sehr natürliche Medienbildung statt, denn die Kinder nutzen das Medium und schauen, wen sie damit erreichen.

Digitalisierung im Bildungsbereich soll zu mehr Chancengerechtigkeit führen – stimmen Sie dem zu?
Ich denke, dass die Digitalisierung in jedem Fall ein großes Potenzial dazu hat. In Schule und Hochschule liegt die besondere Chance ja in den Möglichkeiten der Individualisierung von Lernprozessen und darin, Wissen für viele überhaupt erst zugänglich zu machen. In der Kita hingegen geht es vor allem darum, den Zugang zu digitalen Medien zu ermöglichen und diese als Bildungsinstrument sichtbar zu machen.

Chancengerechtigkeit kann dann entstehen, wenn auch Medienbildung stattfindet, wenn Kinder und Jugendliche nicht den Medien überlassen werden sondern zu einem reflexiven kritischen Umgang angeregt werden. Kinder mit allen Herkünften die Gelegenheit haben das Bildungspotential des Digitalen für sich zu entdecken, ein Inklusionspotenzial steckt in dem audiovisuellen Charakter der digitalen Medien, es ist nicht nur auf die Wortsprache konzentriert sondern bietet z. B. über Fotos noch einen weiteren Zugang zu Bildung.

Kleinkinder und Medien, das sind für viele Begriffe, die nicht zusammengehören – ab welchem Alter ist es sinnvoll, digitale Medien einzusetzen?
Ich plädiere für eine Entdramatisierung des Digitalen. Digitale Medien sind heute selbstverständlicher Bestandteil der Lebenswelt von Kindern in Deutschland – und zwar Kindern jeden Alters. Eine Altersgrenze suggeriert, man könne Kinder bis zu einem bestimmten Alter vom Digitalen fernhalten. Das ist aber letztlich kaum möglich und selbst wenn, würde es doch ein verzerrtes Bild der Welt vermitteln. Es spricht beispielsweise nichts dagegen, mit einem 1-jährigen Kind ein digitales Bilderbuch auf dem Tablet anzugucken. Der Fokus sollte deshalb darauf liegen, Kinder auf sinnvolle Weise bei der Entdeckung des Digitalen zu begleiten, altersangemessene Medien zu finden und darüber immer wieder miteinander in Austausch zu kommen. Im Bereich der frühkindlichen Bildung geht es nicht darum, dass Kinder die Rolle von Konsumenten von digitalen Medien einnehmen sondern sie sollen sich aktiv mit Medien auseinander setzen und dabei selbst erfahren, dass diese Medien für Bildungszwecke eingesetzt werden können. Praktisch bedeutet das z.B. für Kinder unter sechs Jahren, dass sie ihre gestalteten Produkte oder auch ihre Lebensumwelt aus ihrer Perspektive im Video oder auf Fotos festhalten. Medien sind Teil der Lebenswelt von Kindern. Und sie können sehr gut entscheiden, mit welchen Dingen sie sich beschäftigen wollen.

Was ist am dringlichsten zu tun, damit das Thema Digitalisierung im Bildungsbereich künftig gelingt?
Die Hürden für die Digitalisierung liegen auf verschiedenen Ebenen. Es gilt sozial-emotionale Hürden zu überwinden, denn das Unbehagen gegenüber digitalen Medien ist oft groß. Die Vorstellung, Kinder vor der virtuellen und digitalen Welt beschützen zu müssen, ist weit verbreitet. Hier erschient es mir sehr wichtig, das Pädagog*innen ihre eigenen Erfahrungen mit digitalen Medien machen und dabei fachlich unterstützt werden. Mit anderen Worten: Fortbildung und Netzwerkbildung unter den Pädagog*innen ist zentral. Hier gilt es Einzelne zu ermutigen, wir brauchen Personen, die mit Schüler*innen oder Kitagruppen Dinge ausprobieren; es ist aus meiner Sicht ganz wichtig, auf dieser Mikroebene aktiv zu werden.
Aber auch auf technischer Ebene sind noch große Hürden zu bewältigen – in vielen Kitas gibt es nur einen einzigen, oft nicht mehr ganz neuen Computer im Büro der Leitung. In Schulen herrschen, wie heute gehört, ähnliche Verhältnisse. Und die Ängste und Bedenken auf juristischer Ebene müssen ernst genommen werden. Hier ist vieles noch unklar: Wo müssen Persönlichkeitsrechte gewahrt werden? Was sagt der Datenschutz? Hier sind Träger von Bildungsinstitutionen in der Pflicht, für mehr Aufklärung zu sorgen, um Unsicherheiten zu reduzieren.

Zukunft Digital? – Chancen und Risiken der Digitalisierung im Bildungsbereich

Ein Bericht von Tine Nowak

Am 9.7.2016 fand im Cafébar des Frankfurter Kunstvereins in Frankfurt am Main ein neues Veranstaltungsformat zum Thema Bildung statt. Es ist die erste Veranstaltung der Reihe „Bildung zum Frühstück“, die ein gemeinsames Frühstück mit einer Diskussion zu einem aktuellen Bildungsthema verbindet. Die Gemeinnützigen Hertie-Stiftung hatte offen eingeladen und es kamen interessierte Bildungsakteure, regionale Pädagogische Fachkräfte und Stiftungs-Alumni. Die Veranstaltung fand statt im Rahmen des Hertie-Innovationskollegs, dessen Leiter Michael Knoll zusammen mit Katharina Lezius (Horizonte-Programm) die anwesenden Gäste willkommen hieß. Sie führten kurz in das Veranstaltungsformat ein, welches sich in seiner ersten Ausgabe dem Thema Digitalisierung im Bildungsbereich widmete.

In den letzten Jahren habe ich es schon oft so erlebt: Wann immer eine Diskussion die Chancen und Risiken von einer Entwicklung oder einem Phänomen diskutieren will, sind es meist die Risiken, die den größten Raum bekommen. Die Ängste zu einem Thema sind immer schon da, während die Potentiale erst noch entdeckt werden müssen.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hatte zum Frühstück geladen. Die Cafébar war gut besucht, ein wunderbares Büfett war aufgebaut worden, Menschen liefen emsig umher, an einem Tisch unterhielten sich die eingeladenen Expert/innen des Podiums. Leute plauderten, auch ich traf sogleich einen mir bekannten Lehrer und Kollegen, der ebenfalls in der Lehrerbildung an der TU Darmstadt aktiv ist. Die Frühstücksidee schien soweit zu fruchten. Das Thema der folgenden moderierten Diskussion ist im Bildungsbereich seit Jahren aktuell: „Zukunft Digital? – Chancen und Risiken der Digitalisierung im Bildungsbereich“. Mit dem gegenwärtigen Strategieentwurf „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz nimmt die Diskussion allerdings auch auf institutioneller Ebene wieder Fahrt auf. Wie schon im Titel der Veranstaltung tauchen Medien hier gar nicht mehr auf. Digitale Bildung ist der Begriff der Stunde. Digitalisierung scheint die Mediatisierung in der populären Debatte abzulösen, letztlich verhandeln wir, wie wir in einer Welt, die von digitalen Medien durchdrungen ist, leben und agieren wollen.

Ab wann gehören Medien in Kinderhand?
Tim Frühling (Hessischer Rundfunk) führt durch das Gespräch zu „Bildung zum Frühstück“ und leitet ins Thema ein: Ab wann gehören Medien in Kinderhand? Das Podium positioniert sich zunächst, die Frage wird jedoch in Folge wieder aufgegriffen. Auf eine Entdramatisierung der Debatte hofft Helen Knauf (Hochschule Fulda), Gregory Grund (Digitale Helden) beobachtet gegenwärtig gar eine Bildungsrevolution und Ralph Müller-Eiselt (Bertelsmann Stiftung) sieht in Deutschland derweil viel Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung in der Bildung.

Medien in der Kita ist das nicht zu früh? Nicht ab wann, sondern was machen Kinder mit digitalen Medien, das ist die Frage, die uns interessieren sollte, so Helen Knauf. Sie ist als Professorin für Pädagogik der frühen Kindheit die Expertin für diesen Themenbereich. In Deutschland sind Erzieher und Erzieherinnen noch zögerlich, viele andere Anforderungen konkurrieren im Kindergarten. In den USA hatte sie schon ganz andere Erfahrungen machen können. Dort werden digitale Medien durchaus undogmatisch eingesetzt. Helen Knauf berichtet von Pädagog/innen, die ein Problem lösen wollen und im Digitalen Lösungen finden. Wird etwas benötigt und helfen dann Medien, so kommen sie auch zum Einsatz. Sie plädiert dafür sich der Herausforderung ernsthaft und nachhaltig zu widmen und sie in Deutschland nicht als reine Wahlkampfkulisse zu missbrauchen.

Digitalisierung der Bildung ist Schulentwicklungsaufgabe
Ralph Müller-Eiselt wünscht sich mehr Entspanntheit in der Diskussion zu Nutzung von Medien. Verbote und Gesetze können letztlich nicht die erwünschte Lösung sein. Vor ihm auf dem Stehpult liegt das gemeinsam mit Jörg Dräger verfasste Buch „Die Digitale Bildungsrevolution“. Als Projektleiter „Teilhabe in einer digitalisierten Welt“ der Bertelsmann Stiftung hat er die Digitalisierung der Bildung im internationalen Kontext untersucht und mahnt, dass Deutschland tätig werden müsse. Nicht allein die Aufrüstung von Technik und IT sei das Gebot der Stunde, sondern es gehe vielmehr um die Integration des Digitalen als Schulentwicklungsaufgabe, um Datensouveränität und das Entwickeln von Medienkonzepten für die Schulen.

Fasst man die vielen Statements aus dem Publikum zusammen, scheint es genau hier zu haken. Ob mit digitalen Tafeln, die in Schulen installiert werden, deren Potential fachlich nicht ausgeschöpft werden. Oder mit Websperren im Wlan, die selbst den Lehrer/innen das Aufrufen von Fachforen verweigern. Viele Hürden werden offenbar, wenig positive Beispiele finden sich im Auditorium. Es ein Jammertal, in welches sich die Veranstaltung kurzzeitig begibt.

Die Anforderungen der Digitalisierung im Bildungsbereich an die Institutionen und Akteure sind hoch und man könnte fast meinen, sie seien aus eigener Kraft derzeit kaum zu stemmen. Den externen Lückenschluss versucht das Social Start Up der „Digitalen Helden“. Seit drei Jahren bieten sie in Schulen Peer-to-Peer-Projekte an, bei denen ältere Schüler/innen geschult werden, um Ansprechpartner/innen für jüngere Schüler/innen in Sachen Websicherheit zu sein. Die Verunsicherung bei den Lehrkräften ist groß: Digitale Kompetenz, Medienkompetenz, Datenkompetenz. Ein undurchdringlicher Urwald erwünschter Kompetenzen. Wenn er Urhebergesetze für Lehrer/innen in einem Satz zusammenfassen könnte, dann wäre er ein gefragter Mann, so Gregory Grund.

Die Digitalisierung wirkt sich auf alle aus, doch im konkreten Fall fühlen sich viele allein gelassen. Eine Lehrerin brachte zum Ausdruck, wenn sie nun im Unterricht mit Blogs arbeiten wolle, wäre sie doch bei sich in der Schule die Einzige damit. Es sind Veranstaltungen, die Raum zum Austausch bieten, ob im digitalen Raum oder vor Ort wie hier zum Frühstück, die Leute mit ihren Fragen und Bedürfnissen zusammenbringen, um gemeinsam weniger allein zu sein.

Vor Ort war Tine Nowak, sie war 2005 als Kafka-Stipendiatin Krakau. Sie ist als Doktorandin und Lehrbeauftragte am Arbeitsbereich Medienpädagogik der TU Darmstadt tätig, sie podcastet zu Bildung unter www.kulturkapital.org und ist Mitglied im Hertie Network on Digitalization (HNoD).

Die Ehrenamtlichen – Willkommenskultur ‚von unten‘

Serhat Karakayali, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, präsentierte erste Ergebnisse einer Studie in der 3000 Ehrenamtliche befragt wurden. Hier können Sie einen Podcast der gemeinsamen Veranstaltung des BIMs und des Hertie-Innovationskollegs vom 1. Juni 2016 hören. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Nach dem ‚langen Sommer der Migration‘: Die Nachhaltigkeit der ‚Willkommenskultur'“.