Das TIL unterwegs – Viel Gerede um den Wandel, wenig lösungsorientiertes Handeln

Tina SimonZukunft der Bildung Hinterlasse einen Kommentar

Im April 2016 startete das Projekt-Vorhaben mit dem  Teachers Impact Lab (TIL) auf die Suche nach den Stellschrauben für einen zukunftsfähigen und attraktiven Lehrerberuf zu gehen. Um einen Überblick über die aktuellen Debatten zu bekommen, besuchte das TIL – in Person unsere Kollegiatin Tina Simon – zahlreiche Veranstaltungen, die sich mit dem Wandel von Schule und dem Lehrberuf auseinandersetzten. Nach einem kurzen Überblick über die einzelnen Veranstaltungen, soll Bilanz gezogen und ein Ausblick auf die weitere Arbeit des TILs geworfen werden.

Mai 2017 – Deutscher Stiftungstag
Osnabrück, Motto: „Bildung!“

Das Motto des diesjährigen Stiftungstages war mehr als passend und so konnte das TIL viele Veranstaltungen rund um die Global Goals (Bundesverband Innovativer Bildungsprogramme), lebenslanges Lernen (u.a. mit Frau Prof. Allmendinger), GoTeach (Teach First und Deutsche Post) und die Diskussion um „Germanys next top teacher“ besuchen und viele Kontakte knüpfen.
Nach ereignisreichen Tagen blieben viele Fragen (noch) unbeantwortet, vor allem die Frage nach dem WIE gelingen Veränderungen im Bildungssystem …?

Auf der Rückfahrt nach Frankfurt und beim Durchstöbern der Tagungsunterlagen stach eine Zeitschrift der Bohnenkamp-Stiftung heraus und weckte das Interesse an den Studien der Uni Osnabrück mit den Professoren Solzbacher und Zierer zur Selbstkompetenz von Lehrkräften. „WERT: Wissen, Erleben, Reflexion, Transfer“ sollte maßgeblich die nächsten Wochen im TIL bestimmen und zu einer zweiten Reise nach Osnabrück führen.

Juni 2017 – Symposium Bildung und Bewusstsein
Schloss Tempelhof, Thema: „Lehrerbildung der Zukunft“

Diesmal ging es für vier Tage in die Gemeinschaft Schloss Tempelhof und es sollten intensive Tage werden, die nicht nur das Thema Nachhaltigkeit, Ökologie (Permakultur), globale Herausforderungen (Global Goals) und Bewusstseinsbildung berührten. Welche Kompetenzen brauchen Lehrer*innen der Zukunft und wie bilden wir sie aus? Neben Margret Rasfeld (ehem. Schulleiterin der Ev. Schule Berlin Zentrum und Gründerin von Schule im Aufbruch) gaben u.a. auch Prof. Schley (intushochdrei), Prof. Burow (Zukunftswerkstatt),  Silke Weiß (Lernkulturzeit) und Doro Dörr (Kreidestaub) Einblicke in ihre konkrete Arbeit. In Groß- und Kleingruppenprozessen verdichtete sich das Potenzial der Teilnehmer*innen zu konkreten Umsetzungsideen nach der Veranstaltung. Eine großartige Veranstaltung an einem besonderen (Lern-)Ort mit viel Zeit zum Krafttanken und Ideen generieren.

Okt./Nov 2017 – „Lehrende der Zukunft“ der Bundeszentrale für politische Bildung, „Zukunft um Dialog gestalten“ im Expertenforum von EduAction und „Future Skills“ des Forums Bildung & Zivilgesellschaft u.v.a.m.
Berlin/Rhein-Neckar, Themen: die Zukunft der Bildung

Viele Gespräche, Workshops und Vernetzungsmöglichkeiten. Viele Experten: Roman Rüdiger (education y), Peter Spiegel (WeQ), Andreas Schleicher (OECD, Pisa), Prof. Knopf (Uni Saarland, Fachdidaktik Deutsch), Lehrkräfte und Schüler (ESBZ), Politiker*innen …

Als Resümee bleibt (wieder einmal) die Erkenntnis, dass im Bildungswesen dringend Wege und Möglichkeiten gefunden werden müssen, um von Projekten mit Einzelschulen Wirkungen und Implementationen auf Systemebene zu ermöglichen. Schule der Zukunft braucht Handlungen im Jetzt statt neue Paper für den Aktenschrank und Diskussionen über altbekannte Probleme ohne Lösungsorientierung!

Und wie geht es weiter … mit der Zukunft der Bildung, der Schule und der Lehrenden?

Sept. 2017 – Internationales Schulleitungssymposium.
Mitten in der Zentralschweiz, am Zuger See, fand an der Pädagogischen Hochschule Zug unter Leitung von Prof. Stephan Huber, eine hochkarätig besetzte Konferenz mit gut 800 Teilnehmern und 200 Referierenden statt.

An der Vorkonferenz starteten etwa 50 Teilnehmer aus allen Kontinenten, um  gemeinsame, globale Herausforderungen im Bildungswesen 5.0 herauszuarbeiten. Neben den Themen der Professionalisierung von Schulleitung und (teils) gravierenden Nachwuchssorgen war man sich hinsichtlich der Frage nach der Gestaltung des digitalen Wandels und der Zunahme von populistischer Kommunikation schnell einig. Spannende Kontakte und Diskussionen begleiteten die nächsten Tage – wann immer sich eine Pause und Gelegenheit zum Austausch fanden.

Auf dem ältesten Boot der Schweiz fand, in didaktisch etwas anderer Atmosphäre, eine Diskussion über die Kooperationen im Public-Privacy-Sector statt. Bei herrlichem Wetter diskutierten alle Teilnehmenden die Grenzen bisheriger Aktivitäten von Stiftungen und Hochschulen, aber auch die Möglichkeiten zur Einflussnahme bei der Gestaltung eines zukunftsfähigen Bildungssystems.

Ein Schulbesuch in der Kantonschule in Zug bildete den spannenden Abschluss der Vorkonferenz. Da in der Schweiz nur die besten 20% eines Jahrganges auf das Gymnasium gehen dürfen, war an dem (fast) größten Gymnasium der Schweiz eine beeindruckende, aber traditionelle Lernatmosphäre festzustellen.

Am Nachmittag begann das Symposium mit der offiziellen Begrüßung bevor Prof. Huber in das Tagungsthema „Bildung 5.0? Zukunft des Lernens – Zukunft der Schule“ einführte. Sehr kurzweilig führte Prof. Shirley vom Boston College (USA) durch seinen Vortrag über „The New Imperatives of Educational Change“, so dass man mit viel Gesprächsstoff über “ how to get better in teaching in global, professional, existencial imperatives“ und die „sustainability goals“ in die erste Kaffeepause gehen konnte. Den Nachmittag gestalteten Prof. em. Rolff über das Thema „Wissen, Werte und falsche Fakten in der Wissengesellschaft“ und Prof. Simanowski von der City University Hong Kong rund um die Medienbildung in Schule und Gesellschaft.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der individuellen Schwerpunktsetzung und so konnte man aus einem reichhaltigen deutsch- und englischsprachigen Vortragsportfolio auswählen. Auch das Teachers Impact Lab war mit einem Vortrag am Donnerstagnachmittag vertreten. In der Kategorie Gesundheitsmanagement ging es mit der Gruppe von Teilnehmer*innen um die Motivation und die Arbeitsbedingungen des Lehrerberufes 5.0!

Der abschließende Gesellschaftsabend bot schließlich noch einmal Gelegenheit die einzelnen Netzwerke zu erweitern bevor am Freitag die letzten Keynotes zur „Schulentwicklung der Zukunft“ gesprochen wurden. Die Themen auch hier spannend und gut gewählt: Es ging noch einmal um die Medien in der Schule (Prof. Petko, Päd. Hochschule Schwyz) und designbasiertes Problemlösen (Prof. Mintrop, University of California). Prof Dinham referierte über „Being a Leader of Learning and Teaching“ während die Professoren aus Schweden (Prof. Johansson) und Norwegen (Prof. Moller) sowohl Improvement als auch das Educational Leadership in Schulen der Zukunft in den Blick nahmen.

Es war eine Woche voller interessanter Perspektiven, spannender Kontakte und der Erkenntnis, dass man(n) gerne über den Wandel redet.

Ein Ausblick auf die nächsten 6 Monate im TIL

Kollegiatin Tina Simon hat sich im ersten halben Jahr ihrer Projektförderung viel auf der Gedankenwiese bewegt. So wurden Studien gesichtet, Veranstaltungen besucht und viele Gespräche geführt. Jetzt geht es auf Lösungssuche: Wie gelingen Veränderungen an Rahmenbedingungen? Wie wird der Lehrberuf attraktiv und zukunftsfähig und wie begeistert und motiviert man Lehrkräfte vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Herausforderungen?

Es geht also im zweiten Halbjahr vor allem darum, im Ideentreibhaus die notwendigen Werkzeuge zu entwickeln. So plant das TIL einen Prototyp zu entwickeln, der auf Basis einer App, Lehrkräfte in ihrem Alltag begleitet und mit positiven Impulsen zu einem zufriedeneren Arbeitsalltag führen möchte. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Happiness-Research-Organisation in Düsseldorf. Das TIL freut sich nun auf spannende Monate und sucht hierzu noch zwei bis drei Pilotschulen, die die App im Kollegium testen möchten.
Außerdem möchte das TIL dranbleiben an der Frage nach den Veränderungen im Bildungssystem und herausarbeiten wie und wann genau (politische/ministeriale) Entscheidungen getroffen werden. Hierzu wird ein Expertenforum zusammengestellt, welches an zwei Terminen dieser Fragestellung auf den Grund gehen und Impulse für die wirklich drängenden Entscheidungsfragen entwickeln möchte.

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