Die USA und die Medien – ein Blick in die Zukunft Europas?

Michael KnollZukunft der DemokratieLeave a Comment

Die Zukunft der Demokratie wird wesentlich von den Medien mitgestaltet. Gleichzeitig sinkt stetig das Vertrauen der Konsument*innen in die „vierte Gewalt“. Vor diesem Hintergrund hat das Hertie-Innovationskolleg der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa eine gemeinsame Reihe gestartet, um herauszufinden, wie sich die Veränderungen der Vierten Gewalt sich auf die drei anderen Gewalten auswirken. Am 31. Mai 2017 war Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, zu Gast.

Die Welt wird komplizierter, die Anzahl von Informationen steigt, ihre Verbreitung nimmt rasant zu, auch jenseits bekannter und relevanter Kanäle. Unverändert besteht die Aufgabe der Medien darin, diese Komplexität unter erschwerten Bedingungen für eine breite Masse verständlich aufzubereiten. Rundfunk und TV wie Print- und Onlineberichterstattung stellen dabei vermeintlich unterschiedliche Anforderungen an die Form der Informationsdarstellung. Gleichzeitig sehen sich Medien vielfacher Kritik ausgesetzt, sie verlieren ihren Status als überparteiliche und unabhängige Akteure.
Donald Trump hat beim Präsidentschaftswahlkampf in den USA letztes Jahr seine eigenen Schlüsse gezogen. Mit seinen Botschaften über Twitter umging er die Kaste der Journalisten und kommunizierte direkt mit seinen Wählerinnen und Wähler. Mit erstaunlichem Erfolg. Ines Pohl hat diesen Wahlkampf als Korrespondentin der Deutschen Welle in Washington/DC live erlebt.
Mit ihr unterhielt sich Marie Rosenkranz von Polis180 am 31. Mai 2017 in den Räumlichkeiten der Schwarzkopf-Stiftung. Pohl hat viele Erfahrungen als Journalistin, so war sie u.a. von 2009 bis 2015 Chefredakteurin der taz. Am Jahresende 2015 wechselte sie ins Studio Washington der Deutschen Welle und übernahm zum 1. März 2017 die Chefredaktion des staatlichen Auslandsrundfunks.
Als ehemalige Chefredakteurin einer dezidiert linken Tageszeitung hatte man starke Worte gegen den aktuellen US-Präsidenten erwartet. Ines Pohl aber gab sich an diesem Abend sehr selbstkritisch und auch kritisch gegenüber den traditionellen Medien. Die Unfähigkeit, Trump und dessen Erfolg bei den Menschen in der Provinz zu verstehen oder gar verstehen zu wollen, haben diesen Präsidenten erst ermöglicht. So berichtete sie von einem Ausflug in die Grenzregion von Arizona und Mexiko. Dort erlebte sie, wie sich der mexikanische Drogenschmuggel real auf das Leben der in Arizona lebenden Menschen auswirkt. Die Forderungen nach einer Mauer, die die Menschen davor schützt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Hinter den ungeheuerlichen Vorschlägen Trumps steckte oft ein wenig Wahrheit. Wahrheiten, die Wählerinnen und Wähler erkannten, die Journalisten aber zu wenig freilegten.
Allerdings, so Pohl, verschlechtere Donald Trump aktiv das schlechte Verhältnis zwischen Politik und Medien. Bereits im Wahlkampf tat Donald Trump kritische Berichte als Fake News ab. Das deutsche Wort „Lügenpresse“ ist auch in den USA zu einem stehenden Ausdruck geworden. Gleichzeitig entstehen im Netz Medienportale wie die rechtspopulistische Breitbart News, deren Homepage öfter genutzt wird als die der Washington Post. Was Donald Trump aber wirklich von der Presse hält, wurde bei der ersten „Pressekonferenz“ am 12. Januar 2017 deutlich, bei der man, so erzählte Pohl, zwar keine Antworten erhielt, wohl aber unkonkrete Versprechungen. Und, so nahm es die damalige Auslandskorrespondentin der DW wahr, gab es von Seiten Trumps eine klare Kriegserklärung an kritische Medien.
Ist der Blick in die USA zugleich ein Blick in die mediale Zukunft Europas? Nein, meinte Ines Pohl, zumindest nicht in Deutschland. Und das liege vor allem an der Struktur der Medien in diesem Land. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind wichtige Institutionen, die für die Qualität und den Qualitätsanspruch der Medien stehe. Und diese Qualität lasse sich die Politik und Gesellschaft in Deutschland auch was kosten. Der Etat der Deutschen Welle betrug im Jahr 2016 301,8 Millionen Euro. Gut angelegtes Geld, möchte man meinen.
Und mit diesem Hoffnungsfrohen Ausblick endete ein spannender Abend mit Ines Pohl, von der wir bestimmt noch viel hören und lesen werden. Dass dieser Abend so gelungen war, lag auch an der zupackenden und kritischen Moderation von Marie Rosenkranz, die die Erfahrungen von Polis180 und ihrer Generation in die Debatte miteinbrachte. Besonderer Dank an die Schwarzkopf-Stiftung, die diesen erfahrungsreichen Abend ermöglichte!

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