Frank Stauss zum Bundestagswahlkampf 2017

Michael KnollZukunft der Demokratie0 Comments

Die Welt wird komplizierter, die Anzahl von Informationen steigt, ihre Verbreitung nimmt rasant zu, auch jenseits bekannter und relevanter Kanäle. Unverändert besteht die Aufgabe der Medien darin, diese Komplexität unter erschwerten Bedingungen für eine breite Masse verständlich aufzubereiten. Dies gilt gerade zu Zeiten von Wahlkämpfen. Unter dem Titel „Höllenritt Wahlkampf: Wahlen und Wählen in Deutschland“, fand am 19.09. – 5 Tage vor der Bundestagswahl – ein Vortrag von Frank Stauss statt. Dieser Vortrag führte unter großer Anteilnahme die gemeinsame Reihe „Zukunft der Demokratie und die Rolle der Medien“ der Schwarzkopf-Stiftung und des Hertie-Innovationskolleg fort.

Frank Stauss ist Werbetexter, Wahlkampfmanager für die SPD, Kreativdirektor, Politikberater und Autor des Buches: „Höllenritt Wahlkampf – Ein Insider-Bericht“ und somit der ideale Kandidat, den diesjährigen Wahlkampf unter die Lupe zu nehmen. In angenehmer Atmosphäre berichtete Stauss von seinen Erfahrungen im Wahlkampf, die Zukunft des Wahlkampfes und seine Einschätzung zum momentanen Wahlkampf für die Bundestagswahl. Moderiert wurden der Vortrag und die folgende Fragerunde von Kassandra Becker von Polis180, einem Grassroots-Thinktank zu außen- und europapolitischen Themen. Polis180 wird vom Hertie-Innovationskolleg gefördert und organisiert aktuell die Kampagne „Demokratie braucht Dich!“, um die Wahlbeteiligung von Erst- und JungwählerInnen zu steigern.

Frank Stauss nennt diesen Wahlkampf den ersten Wahlkampf für das vergreisende Deutschland: „Dieses Jahr ist jeder zweite Wähler über 52“, stellte er gleich zu Anfang fest. Und darin sieht er auch das Problem: Die Parteien würden sich im Wahlkampf auf Sicherheit und Status quo konzentrieren. In Zeiten des Umbruchs und der Digitalisierung wären allerdings vor allem Wähler über 45 zunehmend verunsichert, was ihre Zukunft betrifft. Gerade jetzt bräuchte es mehr Mut, packende Zukunftskonzepte zu entwickeln und eigene Inhalte zu präsentieren. Dies könnte neue Wähler anlocken.

Der Aufstieg von Martin Schulz im Januar habe gezeigt, dass Begeisterung für neue Ansätze sehr wohl in allen Generationen möglich sei – die SPD habe diese Kandidatur jedoch zu spät angekündigt und habe so keine Zeit mehr gehabt, wirkliche Inhalte zu vermitteln.

Stauss fasste außerdem kurz die Wahlkampfstrategien aller Parteien zusammen, die mit großer Wahrscheinlichkeit in den Bundestag einziehen werden: Die CDU mache Stabilitätswahlkampf, was für Amtsinhaber typisch sei, die Grünen kämen wieder auf ihr Kernthema des Umweltschutzes zurück, da sie im Rest inhaltlich uneinig seien. Die Linke sei erstaunlich ruhig, auch sie spiele auf Sicherheit, die AfD versuche durch Rassismus und Provokation, Wähler für sich zu gewinnen, und die FDP ziehe die Partei auf wie ein Start-up-Unternehmen, was funktioniere, weil es um die Person Christian Lindner herum zentriert sei.

Jedoch sei der zunehmend unterschiedliche Wissensstand der Bevölkerung in Fragen der Politik eine Herausforderung, der sich der Wahlkampf auch in der Zukunft zu stellen habe.

Zusammenfassend ein sehr gelungener Vortrag, den Frank Stauss durch amüsante Einwürfe auch immer wieder aufzulockern verstand, und ein faszinierendes Thema, für welches er das recht junge Publikum begeisterten konnte.

(Sophie von Wuthenau)

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