Refugee Open Cities: Interview mit Stefan Mekiffer

Mariel SousaZukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts Hinterlasse einen Kommentar

Am 14. August 2018 eröffnete unser Kollegiat Stefan Mekiffer das Baucamp Gasterfeld unter dem Titel “Refugee Open Cities”. Gemeinsam mit Geflüchteten, Freiwilligen und Professionellen aus der Region erarbeitete Stefan ein Konzept, damit die Unterkunft Gasterfeld stärker einem Ort der Begegnung und weniger einer Notfall-Unterkunft, in der Geflüchtete passiv verwaltet werden, entspricht. “Refugee Open Cities” ist ein inklusives Projekt, das verschiedene Talente aller partizipierenden Akteure vereint. Es wird somit ermöglicht, dass entsprechend der Bedürfnisse der Bewohner Räume gestaltet und renoviert werden.

Wir haben Stefan gefragt, wie die Arbeit des Baucamps vor Ort ausgesehen hat:

Wie funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den Ehrenämtlern und den Bewohnern der Unterkunft Gasterfeld? 

Es gab im Grunde drei Parteien: Ehrenämtler, Bewohnerinnen und eine Handvoll professionelle Handwerkerinnen und Handwerker. Letztere planten die einzelnen Baustellen und Arbeitsschritte. Freiwillige, Geflüchtete und AnwohnerInnen konnten bei ihrer bevorzugten Aufgabe andocken und dort beliebig bleiben – je nach Lust und Zeitbudget. Das hat im Allgemeinen sehr gut geklappt.

Welche unterschiedlichen Talente haben sich durch das Baucamp zusammen gefunden? 

Wir haben natürlich darauf geachtet, dass unsere Crew von Profis über alle relevanten Fertigkeiten verfügte – wir hatten eine Schneiderin, einen Maler und mehrere Zimmerleute. Aber gerade unter den Geflüchteten fanden wir wieder viele Talente – einen phantastischen Schneider, einen Designer und Innenarchitekten sowie großartige Köchinnen und Köche, die die ganze Truppe versorgt haben.

Ist die Unterkunft jetzt stärker zu einem Haus der Begegnung geworden? Was sind deiner Meinung nach hier die entscheidenden Kriterien?

Die Unterkunft selber nicht, aber das Haus, in dem wir die Gemeinschaftsräume gebaut haben. Hier können jetzt die Bewohnerinnen und Bewohner der verschiedenen Kulturkreise miteinander Zeit verbringen und auch Ehrenamtliche können sich hier aufhalten und Projekte anbieten. Das ist eine große Verbesserung.

Ihr habt ja sehr eng mit dem Landkreis und den hessischen Behörden zusammengearbeitet. Wie hast du diese Zusammenarbeit empfunden?

Als sehr förderlich. Ohne die Unterstützung der Behörden wäre es nicht möglich gewesen ein derartiges Projekt in der Anlage umzusetzen. Es gibt hier zahlreiche engagierte Menschen, sowohl in der Verwaltung als auch in der Anlage vor Ort. Um ein solches Projekt anderswo und ohne die Unterstützung einer großen Stiftung umzusetzen, bräuchte es zudem auch die Finanzierung durch das Bundesland oder den Bund; davor stehen allerdings hohe bürokratische Hürden. Hier sind, wie ich glaube, noch einige Möglichkeiten offen.

Wie geht es jetzt weiter in Gasterfeld? 

Es gibt dort Gedanken, noch weitere Räume zu errichten, darunter eine Werkstatt. Wir werden sehen, ob sich das umsetzen lässt. Ansonsten werden die Räume jetzt von einer Hausleiterin betreut und stehen den Geflüchteten zur Nutzung bereit – wir sind gespannt zu verfolgen, wie sich das weiter entwickelt!

Stefan Mekiffer wird am 17. Oktober im Ahoy!, Berlin das Projekt “Refugee Open Cities” vorstellen. Für alle Interessierten gibt es hier weitere Information zu der Veranstaltung. 

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