Business as usual in deutschen Verwaltungen?

Anne-Marie KortasZukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts0 Comments

Nach dem großen Engagement im zivilgesellschaftlichen Bereich letztes Jahr, haben sich auch viele Kommunen entschlossen, ihre Strukturen aufzubrechen und mehr für die Integration von Geflüchteten zu unternehmen. Sie stellten neues Personal ein, erneuerten ihre Strukturen und standen im regen Austausch zwischen einander.

Auf diese Weise fand im September der Zukunftskongress in Berlin statt, in dem sich viele Vertreter der öffentlichen Verwaltungen austauschen konnten. Um mit den neuen Herausforderungen umzugehen, wurden neue Stellen geschaffen. So verfügt aktuell jeder Bezirk in Berlin über Flüchtlingsbeauftragte, die als Aufgabe haben, die Integrationsarbeit von Geflüchteten zu koordinieren. Und auch außerhalb der Bundeshauptstadt hat sich vieles getan. Der Landkreis Paderborn kooperierte in einem Pilotprojekt mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), damit Asylanträge sich nicht weiter stauen. In diesem Fall bearbeiteten Mitarbeiter der Ausländerbehörde selbst die Anträge und nicht wie gewöhnlich BAMF Mitarbeiter.

Diese Ansätze zeigen, dass die Neuankömmlinge viel bei uns in Deutschland bewegen – selbst in den sonst eher reformschwerfälligen Verwaltungen. Dies lässt hoffen, dass die Integration von allen als Gemeinschaftsprojekt verstanden wird. Jedoch stellt sich aktuell die große Frage, ob diese erlebte Offenheit und Änderungen noch lange bestehen bleiben oder wir bald in ein „Business as usual“ Szenario verfallen?

Es häufen sich die Anzeichen, dass öffentliche Mitarbeiter die Krise als geschafft wahrnehmen und wieder in ihre ruhige Normalität zurückkehren wollen. Sie fordern klare Aufgaben und ein Ende des Krisenmodus. Sie glauben z.T., ihre Arbeit sei getan. Der Wunsch nach mehr Ruhe ist nachzuvollziehen, jedoch ist es äußerst gefährlich die Krise als vorbei zu betrachten, denn die wahre Arbeit beginnt erst jetzt.

Es bleibt zu hoffen, dass die bereits begonnen Prozesse weiter laufen und erkannt wurde, dass nur mittels neuer Wege und Kooperationen eine Integration gelingen kann. Wir brauchen dafür alle Menschen und Anstrengungen und das noch über viele Jahre. Dies scheint ermüdend? Ist es vielleicht auch. Aber es ist der einzige Weg, um eine geschlossene und harmonische Gesellschaft zu werden.

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