Frauen, Gesellschaft und Migration

Andrea StiebritzZukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts Hinterlasse einen Kommentar

Dr. Andrea Stiebritz vom Hertie-Innovationskolleg diskutierte am 02. Februar am Romanischen Seminar der Universität Kiel auf dem Podium über die besondere Rolle von Frauen in Migrationsprozessen und in unterschiedlichen historischen Migrationswellen seit dem neunzehnten Jahrhundert. Sie verdeutlichte u.a. wie die Integration von Frauen durch Projekte wie die der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und des Hertie-Innovationskollegs zur Integration von Migrantinnen in die Gesellschaft beitragen und wie wichtig mittlerweile die Integrationsarbeit von gemeinnützigen Organisationen und ihren Projekten in Deutschland und Europa geworden ist.

Auf dem Podium in Kiel saßen außerdem Lisa Mazzi, Vorsitzende des Frauennetzwerks Retedonne e.V. und in Berlin lebende Autorin des Buches Donne Mobili, das 2015 erschien und in dem sie sich mit der Frauenmigration von Italien nach Deutschland von den 1890er Jahren bis in die Gegenwart beschäftigt, sowie Dr. Marta Chiarinotti, Mitarbeiterin des Teams der Gleichstellungsbeauftragten der Universität Kiel. Die drei Podiumsrednerinnen diskutierten u.a. wie Migration insbesondere für Frauen eine Form der Emanzipation darstellen kann, wie sie es ihnen ermöglicht, männlich geprägte Gesellschaftsstrukturen ihrer Heimatländer zu verlassen oder sich durch die Migration oder Auswanderung in ein Land wie Deutschland wirtschaftlich unabhängig(er) zu machen. Das Publikum diskutierte lebhaft mit und war zudem besonders interessiert an Fragen zu multiplen Formen der Diskriminierung, etwa gleichzeitig aufgrund des kulturellen Hintergrunds von Frauen, des Alters, der sexuellen Ausrichtung oder aufgrund einer Behinderung (Intersektionalität) – Fragen, mit denen sich HIK-Kollegiatin Dr. Emilia Roig im von ihr gegründeten Center for Intersectional Justice beschäftigt.

Die Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen, Arbeit, Gesellschaft, Italien und Migration“ war Teil der Veranstaltungsreihe F*ALS Frauen und Italien // Arte*Letteratura*Società*, initiiert und geleitet von Dr. Francesca Bravi von der Universität Kiel. Bereits am 01. Februar fanden als Einstieg in die Diskussion in der Kieler Hansa48 eine Vernissage der in Berlin ansässigen italienischen Künstlerin Giuliana Pugliese sowie im Anschluss eine Besprechung von Lisa Mazzis Buch Donne Mobili statt.

Guiliana Pugliese stellte unter anderem Werke aus, in denen sie die Flucht über das Mittelmeer und die Balkanroute thematisierte. Auf einer Kombination aus Malerei und Videoinstallation zeigt sie u.a. ein überfülltes Schlauchboot, das zu kentern droht, eine Gruppe von Geflüchteten, die an der Mauer vor den Toren Österreichs stehen sowie ein geöffnetes Tor, durch das eine Gruppe Geflüchteter die Grenze nach Europa übertritt. Ein weiteres Bild, das sie vor dem Arabischen Frühling anfertigte, zeigt collagenhaft Lybiens ehemaligen Machthaber Gaddafi und seine Gewaltherrschaft. Bei der anschließenden öffentlichen Besprechung des Buchs von Lisa Mazzi erfuhr das Publikum, dass es seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts mehrere Migrationsbewegung von italienischen Frauen nach Deutschland gegeben hat, dass u.a. Formen und Strukturen der Einladung von Gastarbeitern in den sechziger und siebziger Jahren vergleichbar mit den Einladungen während der Naziherrschaft sind und dass in Frankfurt/Main die Anwesenheit der Gastarbeiter immer wahrnehmbar war.

Sowohl die Podiumsdiskussion als auch die anderen Veranstaltungen des F*ALS-Projekts gaben u.a. die Möglichkeit, die Gastarbeiterwellen in Deutschland im 20. Jahrhundert kritisch zu besprechen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich gegenwärtiger Migrationsbewegungen zu diskutieren. Diskussionen wie dies machen es möglich, aus den Erfahrungen, die Gastarbeiter und die deutsche Gesellschaft gemacht haben, für die gegenwärtige Auseinandersetzung mit Migration und Integration zu nutzen, insbesondere auch da in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl von Migrantinnen gestiegen ist.

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