Zug um Zug Über den Tellerrand

Marieke SchoeningZukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts Hinterlasse einen Kommentar

Beim Lesen stolpere ich gerne. Über Wörter. Das hat ein bisschen was von Memory spielen. So als ob man gerade zwei Spielkarten aufgedeckt hat, die nicht zusammengehören. Auf den zweiten Blick passt so ein neues Wortgeschöpf dann aber doch oft ziemlich gut zusammen.

Gestolpert bin ich auch beim Nachdenken über diesen Text: Ständig kam mir das Wort Familiennachzug in den Sinn.

Ich habe mich in der zweiten Hälfte meines Jahres im Hertie-Innovationskolleg darauf konzentriert, mein Ausgangsthema ‚Corporate Volunteering für mehr Integration‘ zu konkretisieren. Bei Corporate Volunteering geht es uns von Über den Tellerrand Frankfurt e.V.  darum, die Mitarbeiter*innen von unseren Partnerunternehmen für das Engagement im Integrationsbereich zu motivieren. Uns ist es wichtig, dass wir dabei nicht nur auf beheimateter Seite – nämlich bei den teilnehmenden Mitarbeiter*innen – neue Menschen erreichen, sondern dass wir im selben Zug Angebote für Menschen mit Fluchtgeschichte schaffen, die wir bisher weniger ansprechen konnten: Frauen, Kinder, Familien.

Für geflüchtete Frauen mit Kindern ist es – wie ganz generell für viele Frauen mit Kindern – schwieriger, Integrationsangebote zu nutzen. Zu wenig Kinderbetreuung und seltene Momente der Ruhe werden häufig als Hürden für das Deutschlernen dargestellt. Mit Kinderwagen und allerlei Gepäck ist außerdem jeder Weg in die Stadt anstrengender; die Zeitplanung richtet sich verständlicherweise nach den Bedürfnissen der Kinder. Alles unter einen Hut zu bekommen ist eine Herausforderung. Begrenzte finanzielle Mittel, eine häufig isolierte Wohnlage auf gleichzeitig beengtem Raum, das Fehlen eines  langfristig gewachsenen Hilfsnetzwerks aus Familie und Freunden – diese Rahmenbedingungen erschweren es geflüchteten Familien anzukommen.

Wenn im Integrationsdiskurs von Familien die Rede ist, geht es aber meist um eines: Familiennachzug.

Doch wenn es nur um die Frage geht, wer reindarf oder wer raus soll, vergessen wir, dass viele Menschen jetzt hier sind und das Recht haben, hier zu sein. Die meisten dieser Menschen wollen ankommen. Und es gibt viele beheimatete Menschen, die dieses Ankommen unterstützen möchten. Das trifft auch auf viele Menschen zu, deren Zeitkontingent für Engagement durch Familienverpflichtungen begrenzt ist.

Wir haben deshalb im Hertie-Innovationskolleg etwas getestet: Engagement-Nachzug!

In der betrieblichen Sommerflaute wurden Mitarbeiter*innen von ihren Frankfurter Unternehmen freigestellt, um mit und ohne ihre eigenen Familien, ein mehrtägiges Ferienprogramm für geflüchtete Familien auf die Beine zu stellen. Außerdem läuft seit August in Kooperation mit unserer Frankfurter Partnerorganisation Family Playdates und der Deutsche Bank AG das „Familiy Buddy“ Programm, über das Mitarbeiter*innen und ihre Familien mit einer Partnerfamilie mit Fluchtgeschichte in Verbindung gesetzt werden. Die Familientandems treffen sich seitdem individuell und in einem begleitenden Rahmenprogramm mit gemeinsamen Koch- und Spieleaktivitäten.

So bauen wir, wie im gleichnamigen Spiel, „Zug um Zug“ neue Verbindungen, erleichtern gemeinsam mit unseren Unternehmenspartnern den Zugang zu gesellschaftlichem Engagement und schaffen eine Basis für gemeinsames Ankommen und gemeinsames Weiterreisen.

Dieser Artikel wurde von Marieke Schöning geschrieben. Mehr Informationen zu Über den Tellerrand Frankfurt e.V. gibt es hier.

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