Zur Diskussionsrunde Alltag Integration: Akteure vor Ort

Mariel SousaZukunft des gesellschaftlichen Zusammenhalts Hinterlasse einen Kommentar

Mitbestimmen oder verwaltet werden? Lebensumstände in der Unterbringung von Geflüchteten

Zusammen mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) veranstaltete das HIK am 26.06.2018 den zweiten Teil der Diskussionsreihe „Alltag Integration: Akteure vor Ort“ zum Thema „Mitbestimmen oder verwaltet werden? – Lebensumstände
in der Unterbringung von Geflüchteten“. 

Gemeinsam mit 25 ausgewählten Gästen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medien und Politik wurde darüber diskutiert, wie die Lebensumstände in der Unterbringung von Geflüchteten verbessert werden können. Es wurden Fragen diskutiert wie: Was sind Bedingungen für Integration durch Unternehmen und Kommunen? Wie kann die Aufnahmegesellschaft Integrationshindernisse und -skepsis abbauen? Wie kann Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam die Situation vor Ort verbessern? 

Ausgangspunkt dieser Debatte war die Erkenntnis verschiedener HIK-Kollegiatinnen und Kollegiaten, dass Geflüchtete das Gefühl haben, passiv verwaltet zu werden und ihr selbstbestimmtes Leben dadurch eingeschränkt wird. Dieses Gefühl wirkt sich negativ auf eine erfolgreiche Integration in Deutschland aus. 

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Dienstag mit Impulsvorträgen von Kai Klose, Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung im hessischen Ministerium für Soziales und Integration und Stefan Mekiffer, Kollegiat des HIK und Gründer des Projekts „Refugee Open Cities“ (ROC). Es folgten interessante Diskussionen zur politischen Verantwortung gegenüber der Unterbringung von Geflüchteten, der Sinnhaftigkeit von standardisierten Kontrollmechanismen in Unterkünften, Partizipationsmöglichkeiten innerhalb von Unterkünften diese zu gestalten und Probleme bei der Finanzierung dieser Projekte.

Zusammenfasst ergab die Diskussion folgende Ergebnisse:

Als übergeordnetes Ziel solle verhindert werden, dass die Gestaltung deutscher Unterbringungen weiterhin beeinflusst werde vom deutschen Narrativ, dass Integration problematisch und schwer umzusetzen sei. Im Endeffekt wirke sich die bestehende Unterkunftsstruktur auf das Selbstverständnis des Geflüchteten als Flüchtling aus. 

Es müsse verstärkte Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung auf kommunaler Ebene geben, denn Integration finde im kleinen Raum statt. Hierfür gebe es den Wunsch nach Migrantenselbstorganisationen, die in ganz Deutschland gefördert werden sollen. Die Eigengestaltung der Unterkünfte könne hierbei ein erster Schritt sein. Besonders wichtig sei hierbei der Fokus auf die individuellen Bedürfnisse der Geflüchteten. Wer zum Beispiel mehr Privatsphäre wünscht, solle auch die Möglichkeit haben, mehr Privatsphäre zu bekommen. Dem Geflüchteten solle auch die Möglichkeit gegeben werden sich als Individuum und nicht als eine in einer Rolle wahrgenommenen Figur zu integrieren, wofür die individuelle Gestaltung des Wohnraums bedeutend sei. Die Einstellungen von dem Geflüchteten und der aufnehmenden Kommune sollen durch diese Veränderungen positiv beeinflusst werden und Integration verbessern.  

Können Standards und schärfere Regulierung zu einer Verbesserung der Situation beitragen? Ist eine stärkere Bürokratie limitierend oder förderlich? Eine Prüfung der Räumlichkeiten sei definitiv erforderlich. Hierfür müssen allerdings die bestehenden Standards neu gedacht werden. Zum Beispiel könne die Einführung weicherer Kontrollmechanismen wie zum Beispiel Monitoring weniger abschreckend wirken und die Heranführung an unsere Gesellschaft erleichtern.

Das größte Problem, was an diesem Abend identifiziert wurde, waren fehlende finanzielle Mittel, um die Idee der individuellen Raumgestaltung und Migrantenselbstorganisationen deutschlandweit zu ermöglichen. 

Refugee Open Cities (ROC) fördert kulturelle Öffnung durch die inklusive Umgestaltung von Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen. Nach dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten“ stehen hierbei die individuellen Bedürfnisse von Flüchtlingen im Vordergrund. Um diese bestmöglich zu erfüllen, sollen Geflüchtete selbst an der Umgestaltung der Räumlichkeiten teilhaben. Erfolgsbeispiele dieser Kollaboration führten zur Kreation von zum Beispiel Frauenräumen, Spielplätzen, einem Teehaus oder Lernzentren.  

Die nächste Veranstaltung zum Thema Alltag Integration: Akteure vor Ort findet voraussichtlich im Herbst 2018 statt. Weitere Informationen hierzu folgen in den kommenden Wochen.

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